Taktiles Mehrwertexponat für das Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

Die Übersetzung des Gemäldes „Selbstbildnis mit Judenpass“von Felix Nussbaum in ein Relief haben wir für die Sonderausstellung Nussbaum anders sehen erstellt. Dazu entstand eine Informationstafel mit einem beschreibenden Begleittext in Punktschrift (Braille) und Großschrift. Zusätzlich erforderlich für das Verständnis war die taktile Detaildarstellung des „Judenpasses“ inklusive Beschriftung in Braille und weiteren Details.

Taktiles Exponat Felix Nussbaum Museum Taktiles Exponat Felix Nussbaum Museum

Taktiles Exponat Felix Nussbaum Museum
© Hermann Pentermann

Bewährte Ideen, um Museen zugänglicher zu machen

Museen haben den Sinn und aber auch eine Pflicht, sich um Menschen mit einer Vielzahl von Bedürfnissen zu kümmern, und dazu gehören auch sehbehinderte Menschen. Dies ist kein kleiner Teil der Gesellschaft. Es ist wichtig, dass sie nicht übersehen werden. Weltweit leben etwa 1,3 Milliarden Menschen mit irgendeiner Form von Blindheit oder Sehbehinderung. Allein in Europa gibt es etwa 25,5 Millionen Menschen mit einer Sehbehinderung.

Für viele bedeutet ein Museumsbesuch das Gefühl der Ausgrenzung. Die traditionelle Museumserfahrung mit Objekten hinter Glas bietet einer blinden oder sehbehinderten Person nicht gerade viel. Aber Museen entwickeln sich weiter, um diesem Bedürfnis gerecht zu werden und den Besuch zu einem angenehmen Erlebnis für alle zu machen.

Wie können Museen sehbehinderten Besuchern gerecht werden?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie eine Institution einen Besuch für eine sehbehinderte Person interessanter machen kann. Dies beginnt mit Audioguides und Audiobeschreibungen. Es kann aber auch innovativere Ansätze wie taktile Grafiken und 3D-Objekte bedeuten. In Museen auf der ganzen Welt geht es heute um mehr als nur um das Sehen. Multisensorische Ausstellungen sprechen das Sehen, den Hörsinn, den Tastsinn und den Geruchsinn an. Dieser Ansatz kann Exponate für alle Besucher zum Leben erwecken.

Durch den Einsatz von Technologie werden Museen inklusiver.

Neuere Technologien ermöglichen, dass sehbehinderte Menschen auch in Museen immer mehr willkommen sind. Es gibt viele Museen auf der ganzen Welt, die mit 3D-Druck arbeiten.

Es ist offensichtlich, dass diese Technik den Museumsbesuch für alle Beteiligten verbessern kann. Wer möchte nicht in den Genuss des Berührens des Exponats kommen, das sich hinter dem Glas befindet, selbst wenn es nur eine Reproduktion ist.

Museen haben blinden und sehbehinderten Menschen viel zu bieten.

Der Schlüssel liegt in der Erkenntnis, dass das Sehen nicht der einzige Sinn ist, mit dem Menschen kulturelle Angebote erleben und genießen können. Hinter den Türen der einzelnen Museen gibt es eine Fülle faszinierender Materialien, die darauf warten, auf neue Weise entdeckt zu werden.

Audio- und Braille-Beschreibungen sind gute Instrumente zur Vermittlung. Sie können den Menschen helfen, mehr über die Ausstellungsstücke zu erfahren. Aber auch andere Sinne, wie Tastsinn und Geruchssinn, können das Erlebnis um ein zusätzliches Merkmal bereichern. Ein personeller Ansatz funktioniert auch gut, mit beschreibenden Führungen, die anschauliche mentale Bilder erzeugen können. Es ist auch wichtig, den Menschen vor ihrem Besuch wichtige Informationen zu liefern, damit sie wissen, welche Angebote zur Verfügung stehen.

Museen müssen mit sehbehinderten Menschen kommunizieren. Sie müssen ihnen zuhören und mit ihnen arbeiten, um zu verstehen, was ihre Bedürfnisse sind. Ich kann immer wieder gern zeigen, wie kleine Änderungen und zusätzliche Angebote den großen Unterschied ausmachen. Mit diesen Veränderungen können Museen dafür sorgen, dass sich blinde und sehbehinderte Menschen wirklich willkommen fühlen.

Hands On! Conference 2019, All inclusive! Museums as places for ALL children, 12th International Conference, October 22–26 at the Young Museum Frankfurt, Germany

All inclusive Hands on Conference

All inclusive! Museums as places for ALL children

The conference will focus on museums’ roles as places of social inclusion. We would like to discuss how to cater to specific needs of diverse audiences and take a closer look at how children’s museums use collections to impart knowledge on cultural heritage. Last but not least, we would like to explore innovative educational formats, especially when connected to digital learning.

Together we will explore the latest developments in the field of children’s education in museums, children’s museums and science centers. Be inspired by keynote speakers, interactive sessions and exclusive museum visits. Meet colleagues from 30 different countries and share your own ideas.

We’re talking about diverse audiences and social inclusion.

When: Wednesday, October 23, Session 2: Approaching special needs audiences, 9:00 – 10:20

Check out the full conference programme here

Ein Audio-Informations- und Leitsystem ganz ohne App. Barrierefreiheit schnell und preiswert.

Raumplan

TellDing ist ein Plug & Play Audioguide

Ein System informiert Ihre Besucher ohne jede Mühe.

TellDing wird im Museum am Exponat, an Türen und Treppen, der Rauminformation u.s.w. versteckt eingebaut. Der Besucher nähert sich mit seiner Besucherkarte (Eintrittskarte) dem entsprechenden Informationspunkt oder Exponat und bekommt eine Audioinformation in seiner Landessprache. Blinde Besucher bekommen ausführliche Audiodeskription. Als sprechender Punkt hilft das TellDing blinden Besuchern sogar, das Objekt oder die Tür oder den Aufzug zu finden, indem der Besucher einfach der Tonquelle folgen kann. Genial einfach! Und ohne große Kosten einzurichten.

TellDing-Logo

Informieren Sie sich auf www.tellding.com über Möglichkeiten und Kosten

 

tellding-avatar-lanyards

Gastbeitrag einer erblindeten Kunstkennerin

Tate London anfassen erlaubt
Anette Bach

Ist Kunst zu begreifen?

Eine Rodin-Ausstellung im Folkwang-Museum in Essen! Für mich ein Ereignis! Die Jahre meines Lebens, in denen ich sehen konnte, waren geprägt von Freude und Interesse an der Kunst. Ich habe das Zeichnen geliebt, aber auch Gemälde und die Bildhauerei. Auch wenn ich nicht mehr sehen kann, hat sich mein Interesse für, ich würde sogar sagen, mein Bedürfnis nach Kunst nicht geändert. Also fahre ich nach Essen. An Rodins Werke kann ich mich gut erinnern. Der berühmte „Denker“, „Die Bürger von Calais“ und erst „Der KUSS“. Was würde die Ausstellung bringen? Frust pur! Ich durfte nichts anfassen.

Ich mochte es gar nicht glauben. Was konnte ich an Steinskulpturen zerstören, wenn ich sie nur mit meinen Händen berührte? Auch durch ein aufgelegtes Seidentuch durfte ich nichts anfassen. Ich habe gebeten, geschimpft, argumentiert. Die saure Luft des Ruhrgebietes, die Fliegen, Spinnen und Staub würden sicher eine größere Bedrohung für die Unversehrtheit des Kunstwerks bedeuten. Nichts zu machen!

Ich finde, so geht das nicht! Auch ich weiß natürlich, dass es nicht vernünftig wäre, alle Museums- und Ausstellungsinhalte für jede tastende Hand freizugeben. Aber es ist viel mehr möglich, als zugestanden wird. Sicher, es ist mir oft gelungen, Führungen zu organisieren, bei denen dann am Ende doch die Vitrinen geöffnet oder die Begrenzungsgitter beiseitegeschoben wurden. Aber das war immer Glücksache und abhängig vom guten Willen und der Eigenmächtigkeit des jeweiligen Führers. Ich wünsche mir ein Umdenken. Alle Aussteller sollten verpflichtet sein, sehgeschädigten Menschen ihre Ausstellung zugänglich zu machen. Dafür gibt es Konzepte und weitere können entwickelt werden. Aussteller sollten schlagende Argumente haben müssen, für das, was nicht möglich ist. So etwas wird es immer geben, aber es darf nicht passieren, dass wir in die Rolle der Bittsteller, Überreder oder Krawallmacher gezwungen werden, die etwas angeblich Unmögliches fordem.

Wenn einmal eine gute Fee bei mir vorbeikäme, würde ich mir wünschen, dass vielleicht jedes Bundesland eine Einrichtung schafft, die vollgestopft ist mit Modellen. Es gibt so viele herrliche, spannende und unglaubliche Dinge, die Menschen geschaffen haben: Die Bauten der Inkas, den Taj Mahal, die Oper in Sydney oder die Elbphilharmonie. Selbst wenn ich überall hinfahren könnte und es mir erlaubt wäre, alles zu begehen, zu berühren, so würde sich doch das meiste nicht erschließen. Den David, den Michelangelo geschaffen hat, würde ich nicht mal erkennen, wenn ich auf dem fünf Meter hohen Marmorgebilde herumklettern dürfte.

Modelle herzustellen, ist in Zeiten von Scannern und 3D-Druckern wohl nur noch eine Frage des Wollens.

Bei mir klingelt es. Kommen Feen durch die Haustür?

Zur Autorin 
Anette Bach leitet im DVBS die Bezirksgruppe Hessen. 

Die 66-Jährige organisiert mit dem Leitungsteam regelmäßig Veranstaltungen zu aktuellen Themen und Ausflüge, deren Termine unter dvbs-online.de veröffentlicht werden und die auch interessierten Gästen offen stehen.

Der Beitrag wurde erstmals veröffentlicht in der Horus 2/2018 / Zugängliche Kultur – Marburger Beiträge zur Integration Blinder und Sehbehinderter. Die Veröffentlichung hier erfolgte mit freundlicher Genehmigung der Autorin.